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Leseproben Lyrik
Wechselspiel der Gefühle
Dunstig trüber Morgen.
Nasse Wiesen.
Am kühlen See.
Nebel hängt in den Bäumen.
Wind kommt auf.
Es ist still.
Ich bin einsam.
Mich friert.
Übermütig treibende Wolken.
Blätter wirbeln durch die Luft.
Ein Abschied?
Doch dann
findet die Sonne einen Weg.
Wohlige Wärme berührt meine Haut.
Ich atme den Duft der letzten Dahlien.
Reife Früchte locken mich.
So süß und saftig.
Purpur leuchtende Heide.
Wunderschön gefärbte Blätter.
Ein faszinierender Anblick.
Wo hatte ich nur meine Augen?
Ich bin glücklich.
Sylvia Michaelis im September 2009

Verantwortung
Verstoßen
von deinen Eltern,
kommst du in ein neues Heim.
Verstehen
kannst du das nicht.
Soll es hier wirklich besser sein?
Verloren
zwischen vielen Kindern.
Fühlst du dich sicher sehr allein.
Vergessen
sollst du hier das Leid.
Und deine Wunden sind nicht klein.
Versprechen,
werden sie gehalten?
Oder wird gewahrt nach außen nur der Schein?
Verlieren
immer nur die Kinder?
Versetzt sich keiner in dich hinein?
Verbauen
sie dir hier dein Leben?
Auch du solltest wieder glücklich sein!
Verletzen
Menschen deine Seele?
Wie tief geht der Schmerz bloß in dich hinein?
Verbessern
sollte sich dein Leben.
doch du fühlst dich hier mutterseelenallein.
Verschenken
wir die großen Chancen?
Wie soll es ohne Kinderstrahlen sein?
Verschließen
wir nicht unsere Augen!
Dies ist die Pflicht von dein und mein!
Sylvia Michaelis im März 2009

Leben mit dir
In tiefer Nacht hab´ ich Liebesfunken geseh´n.
Ein Gefühl - einfach unbeschreiblich schön.
Sie flogen auf mich zu, direkt in mein Herz.
Doch es tat nicht weh, gab keinen Schmerz.
Wink des Schicksals, Sehnsucht nach dir.
Hab lang gezögert - jetzt liegt es an mir.
Es braucht nicht viel Worte, ein Blick genügt.
Wir spüren, dass unser Gefühl nun siegt.
Mein Herz schlägt jetzt sehr schnell und laut.
Sanft berühren will ich deine warme Haut.
Gefühle spiel´n verrückt, meine Stimme versagt.
Doch nun lass ich mich fallen, ganz unverzagt.
Mein Verstand entgleitet, die Zeit bleibt stehen.
Ganz sicher - mit dir möcht´ ich durchs Leben gehen.
Finde nicht die richt´gen Worte für dieses große Glück.
Will mich deiner Berührung hingeben, Stück um Stück.
Dieses Verlangen hab ich bisher nicht gekannt.
So bin ich auf unsere Liebe unheimlich gespannt.
Sylvia Michaelis im Oktober 2008

Loslassen
Finsternis, die mich umgibt. Finsternis, die mich verwirrt.
Finsternis, die mich ängstigt.
Ich sehe bedrohliche Schatten. Ich spüre kalten Wind.
Ich höre unbekannte Stimmen.
Schon klopft mein Herz schneller. Schon fröstelt es mich.
Schon fühle ich panische Angst.
Allein mit der Dunkelheit. Allein mit meiner Sehnsucht.
Allein mit müden Gedanken.
Ich fühl mich gefangen. Ich fühl mich schutzlos.
Ich fühl mich verfolgt.
Auf einmal eine Sternschnuppe. Auf einmal Licht am Horizont.
Auf einmal ein Funken Hoffnung.
Ich möcht so gern fröhlich sein. Ich möcht so gern lachen.
Ich möcht so gern lieben.
Doch die Angst sitzt tief in mir. Doch ich bin auf der Suche nach Farbe.
Doch ich werde um mein Glück kämpfen.
Warum soll nicht für mich die Sonne scheinen? Warum soll ich nicht träumen?
Warum soll gerade ich das nicht schaffen?
Keine Angst mehr vor der Nacht. Keine Angst mehr vor der Dunkelheit.
Keine Angst mehr vor Problemen.
Der Weg aus dem Dunkeln wird schwer. Der Weg aus der Dunkeln wird lang.
Der Weg aus dem Dunkeln wird stürmisch.
Ein neuer Tag bringt Licht. Ein neuer Tag bringt Kraft.
Ein neuer Tag bringt Zuversicht.
Sylvia Michaelis im Oktober 2008

Für einen Freund
Du bist gegangen.
Unerwartet - und ganz leis´.
Hattest einfach keine Kraft mehr.
Konntest nicht warten, um "Auf Wiedersehen" zu sagen.
Warum nur? Warum ausgerechnet du?
So viele Fragen bleiben offen
und Träume unerfüllt.
Sanft streichle ich deine Haut.
Ein letztes Mal.
Sie ist kalt, beinah fremd.
Ich kann es nicht glauben.
Tränen rinnen über meine Wangen.
Mein Herz weint.
Du wirst mir fehlen,
eine Riesenlücke hinterlassen.
Wer wird mir nun zuhören,
mit mir lachen, mit mir weinen?
Du bist doch mein bester Freund.
Ich kann es nicht glauben, nicht begreifen.
Doch ich werde es lernen müssen.
Du bist nicht mehr da.
Nie, nie wieder deine Hilfe erfahren,
deinen Rat bekommen, deine Meinung hören.
Wie soll ich das schaffen?
Du bist so wichtig für mich!
Ich fühle mich hilflos, allein.
Trotzdem muss ich dich gehen lassen,
auch wenn es mir fast das Herz zerreißt.
Die Tränen werden trocknen.
Irgendwann.
Und ich werde stark sein.
Für dich.
Das verspreche ich dir.
Ich werde nicht aufgeben,
ich werde leben.
Es wird nicht leicht.
Das weiß ich.
Doch mit den Erinnerungen an dich wird es mir gelingen.
Irgendwann sehen wir uns dann wieder.
Ganz sicher.
Bis dahin lebst du tief in mir weiter.
Ich werde dich nie vergessen.
Leb wohl, mein Freund.
Sylvia Michaelis im September 2008

Unerwartet
Heut´ morgen im Garten hab´ ich dich entdeckt,
da hinterm Schuppen, ein wenig versteckt.
Ich konnt es kaum glauben, ist´s wirklich wahr?
Wo hatt´ ich nur meine Augen im letzten Jahr?
Dein Anblick ein Traum, der sprachlos macht.
Strahlst mich offen an, in all deiner Pracht.
Wirkst elegant, so klar und rein -
Da trügt ganz sicher nicht der Schein.
Und wie betörend erst dein Duft!
Verzaubert hier die warme Luft.
Dem kann ich einfach nicht entfliehn,
das sei dir aber gern verziehn.
Auf dir tummeln sich die Bienen,
zahlreich sind sie schon erschienen.
Selbst ein Schmetterling ist hier,
gemütlich findet er´s bei dir.
Du bewegst dich sacht, ganz sacht im Wind -
beinah möcht ich dich schützen wie ein Kind.
Dich wachsen und gedeihen sehn,
ewig könnt ich bei dir stehn.
Welch ein Geschenk, dass ich dich fand.
Werd für dich sorgen auf diesem Land.
So kann ich dir danken für mein Glück
jeden Tag ein kleines Stück.
Es gibt so viele and´re Blüten!
Auch diese werde ich behüten.
Doch du allein bleibst ohnehin
für mich die Blumenkönigin.
Sylvia Michaelis im Juli 2008
